Diskussionskultur in sozialen Medien

Gefühlt ist dieses Thema ein Dauerbrenner. Die Initiative #ichbinhier wurde zuletzt für ihren Einsatz für eine sachliche Diskussion auf Facebook mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Das Problem ist ein ernst zu nehmendes. Denn in den Kommentarspalten großer Medien geht es wüst zu. Bewusste Provokationen rufen reflexartige Grabenkämpfe zwischen Fraktionen hervor, die sich insbesondere dadurch hervortun, den jeweils anderen in Worthülsen-Schubladen zu stecken. Wer (unabhängig vom eigenen Standpunkt) zur Mäßigung aufruft, ist per se ein Gutmensch. Wer ein bisschen kontrovers argumentiert, mindestens ein verkappter irgendwas-radikaler. Linke gegen Rechte, Christen gegen Moslems, Deutsche gegen Ausländer, Wessis gegen Ossis…

Bereitwillig entziehen sich die Beteiligten einer Sachdiskussion und wetteifern um die beste Rhetorik, die fehlerfreisten Formulierungen oder die schaurigsten Unterstellungen. Dabei geht ein entscheidender Pfeiler der öffentlichen Debatte unter. Wir müssen als Gesellschaft wieder verstehen, wie wir uns auch im Dissens konstruktiv austauschen können. Nur so können wir einen funktionierenden Meinungspluralismus erhalten, der letztlich auf allen Ebenen des Zusammenlebens in einer Gesellschaft erforderlich ist.  Eine persönliche Distanzierung von Meinungen ist dadurch nicht ausgeschlossen, aber sie erfolgt mit dem nötigen Respekt für andere und ohne einen totalitären Wahrheitsanspruch. “Verstehen, ohne einverstanden zu sein”. Das ist auch gar nicht so schwierig, wenn wir anderen Leuten auch eine komplett gegenteilige Meinung zugestehen. Und nicht mit bequemen Schubladen den eigentlichen Inhalten aus dem Weg gehen.

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