Sexisten im Grabenkampf

Nach dem #Aufschrei rückt mit #metoo wieder einmal Alltagssexismus und die Problematik sexueller Belästigung in den Blickpunkt. Und die Reflexe funktionieren noch: Die lautesten Diskussionsteilnehmer verstehen sich als Vorkämpfer ihres Geschlechts und befestigen als erstes einmal die Stellungen. Irgendwo zwischen einer Marginalisierung der leidvollen Erfahrung Betroffener und einem beliebig dehnbaren Sexismus-Begriff bleibt die eigentliche Debatte im Schlamm des Schlachtfelds stecken.

Der Auslöser, nämlich die scheinbar über lange Jahre bekannte Übergriffigkeit des Mr Weinstein, ist ebenso unstrittig verwerflich wie das für vergleichbare Fälle gilt. Aber was ist denn eigentlich vergleichbar? Zwischen Vergewaltigung und verbaler Belästigung liegt eine große Bandbreite, die in der nun entstandenen Diskussion fast unsichtbar wird. Dazu kommt mit Sexismus ein Oberbegriff ins Spiel, der auch noch strukturelle Diskriminierung und gesellschaftliche Geschlechterrollen mit abdeckt. Das Problem wird beispielsweise deutlich, wenn die Zeit einen Artikel mit dem Zitat “Sexismus ist ein Werkzeug, mit dem Männer ihre Macht sichern” überschreibt:

Auf dieser Ebene der einseitigen Schuldzuweisungen und Zementierung eines Täter-Opfer-Verhältnisses wird die Debatte um Sexismus selbst sexistisch. Wer so spricht, hat kein Interesse an einer Begegnung von Mann und Frau auf Augenhöhe. Genau wie Rassismus lässt sich Sexismus nicht auf eine einzelne Gruppe Betroffener verengen, ohne zum inhärenten Widerspruch zu werden. Damit ist die Frage, worum es dann geht. Maximale Dramatisierung? Aufmerksamkeit?

SPD-Fraktionsvorsitzende Nahles hat jedenfalls die Zeichen der Zeit erkannt und verbal aufgerüstet: Männer müssten mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden. Nachdem mit Klassenkampf zur Enttäuschung der Genossen in einer Wohlstandsgesellschaft nicht mehr viel zu holen ist, muss ein anderer Kriegsschauplatz her. Nun also Marschbefehl zum Kampf der Geschlechter. – Liebe Sozialdemokratinnen, hiermit verweigere ich den Dienst in eurem Feldzug und lehne auch die Beteiligung auf Feindesseite ab. Mit einer “Wir-gegen-die”-Mentalität lösen wir keine gesellschaftlichen Probleme. Dass auch bei negativen Erfahrungen ein Dialog mehr hilft als ein Pranger, hat Gerlinde Schrön nachvollziehbar aufgeschrieben. Das sollte uns auch in der öffentlichen Debatte ein Lehrstück sein, miteinander und nicht übereinander zu reden.