Am siebten Tage sollst du geben

In der Vorweihnachtszeit besinnt man sich in Deutschland gerne auf die christlichen Traditionen. Menschen erfreuen sich an mehr oder weniger religiösen Symbolen. Zu den Adventssonntagen trifft man sich im Familienkreise zum Restaurantbesuch oder geht auf den Weihnachtsmarkt. Weitere Optionen gibt es nicht, schließlich reglementiert das strenge Ladenschlussgesetz den Einzelhandel. Denn am siebten Tage sollst du ruhen.

Nicht nur im Christentum gibt es derartige Gebote. Auch Moslems und Juden kennen einen heiligen Tag in der Woche. Bemerkenswerterweise ist dies nicht immer der Sonntag. In vielen islamisch geprägten Ländern ist vielmehr der Freitag der heilige Tag. Für jüdische Gläubige hingegen ist Samstag der siebte Tag der Woche. Auch in den christlich geprägten USA beginnt eine Woche nicht mit dem Montag, sondern am Sonntag, was regelmäßig zu Verwirrung bei Terminabstimmungen auf Basis von Kalenderwochen führt. Die Festlegung des Ruhetags scheint also reichlich beliebig.

Es zeigt die Erfahrung unzähliger Gesellschaften weltweit, dass sie auch ohne Konsens über den freien Tag nicht untergehen. Gleiches gilt für die Verkäufer auf deutschen Weihnachtsmärkten und Kellner in den Restaurants, die nicht einmal an den sakrosankten Adventssonntagen Zeit für die heilige Messe haben. Was tun diese armen Menschen nur, wenn sie christlich geprägt sind? Sie gehen einfach an einem anderen Tag in die Kirche. Genau wie die unzähligen Ärzte, Polizisten und viele andere, auf deren Tätigkeit nicht einmal die Kirche am Sonntag verzichten mag.

Diese Kirche, lutherischer wie katholischer Prägung, ist nämlich der lauteste Fürsprecher der landesweiten Sonntagsruhe. Die auch im Jahre 2017 fortbestehende Verflechtung weltanschaulicher Vereinigungen mit einem eigentlich neutralen Staat ist insbesondere mit Blick auf den wachsenden Anteil von areligiöser Deutscher mehr als fragwürdig. Im Hintergrund der christlichen Anstrengungen um die Ruhe der arbeitenden Bevölkerung stehen dabei nicht zuletzt wirtschaftliche Interessen. Bestimmte nämlich jeder Bürger seinen Ruhetag selbst, käme bei der sonntäglichen Kollekte kaum etwas herum. Denn am siebten Tage sollst du geben. Ganz zu schweigen von dem weiter schwindenden Einfluss der Kirchen, wenn die Leute nicht mehr aus Langeweile und Gewohnheit dorthin strömten.

Es wird dringend Zeit, dass sich der deutsche Staat vom Staub der vermeintlich christlichen und faktisch kirchlichen Interessen befreit. Und den Bürgern genügend Verstand zubilligt, mit ihrem Arbeitgeber ein passendes Arbeitsmodell zu vereinbaren, bei dem sie ihren freien Tag auch auf einen Dienstag legen können. In Skandinavien, wo regelmäßig die glücklichsten Menschen verortet werden, und in den USA, einer globalen Wirtschaftsmacht, funktioniert das seit vielen Jahren wunderbar. Zeit, auf Fakten zu hören. Das bedeutet durch klerikalen Geltungsanspruch getriebenen Strohmann-Argumenten kein Gehör mehr zu schenken – auch hier können wir aus der Vergangenheit lernen.